Wanschlitze fräsen – wie wird das gemacht?

Sogenannte Wandschlitze sind Aussparungen in der Wand, die der Aufnahme von haustechnischen Anlagen dienen. Sowohl Alt- und Neubauten profitieren von diesen Wandschlitzen, insbesondere, um um erforderliche Leitungen, Kabel und Rohre zu verlegen und zu installieren. Wie diese Schlitze entstehen, welche Tiefe hierfür erforderlich ist und welche Arten von Wandschlitzen es gibt, erfahrt Ihr hier.

Wandschlitze sind unabdingbar für eine nachträgliche Elektroinstallation © envato elements

Wer stellt Wandschlitze her?

In Abhängigkeit des Wandmaterials können einige Schlitzarten von einem Elektriker durchgeführt werden, während andere zum Aufgabenbereich des Berufsstandes eines Maurers zählen. Einige handwerklich begabte Bauherren fertigen selbst Mauerschlitze – unter Beachtung geltender Normen – an.

Wie wird der Schlitz in der Wand hergestellt?

Verschiedene Methoden können zum Erfolg führen – also zum Ergebnis eines Schlitzes in der Wand. In Abhängigkeit des Wandmaterials, des Zeitaufwandes und des anfallenden Kraftaufwandes gibt es folgende Optionen:

1. Die Herstellung eines Wandschlitzes mithilfe von Hammer und Meißel

Diese Werkzeuge gehören zur Grundausstattung eines Elektrikers. Insgesamt erweist sich diese Methode als relativ kräftezehrend und anstrengend. Zudem kann diese Methode dazu führen, dass ungewollt mehr Substanz von der Wand abspringt, als notwendig. Akkurate Schlitze gelingen mit dieser Methode kaum.

2. Die Herstellung eines Wandschlitzes mithilfe des Bohrhammers

Diese Methode mit dem Bohrhammer ist alles Andere als unkompliziert und einfach. Zudem springt auch bei dieser Methode in der Regel mehr Wandsubstanz ab, als beabsichtigt, so dass akkurate Schlitze in der Regel nicht entstehen können. Insbesondere bei sehr dünnen Wänden können mit dieser Technik mehr Schäden als Nutzen entstehen. Im worst case kann es sogar zur Instabilität der Wand kommen.

3. Die Herstellung von Wandschlitzes mithilfe eines Winkelschleifers

Mithilfe eines Winkelschleifers mit Diamant- oder Steinscheibe kann die gewünschte Breite des Wandschlitzes in eine Steinwand gefräst werden. Als weitere Hilfsmittel sind Hammer und Meißel unabdingbar, etwa, um den mittleren Steg aus der Wand zu eliminieren. Diese Arbeitsweise geht zumeist mit hohem Staubaufkommen einher. Weiterhin erfordert die Arbeit mit dem Gerät viel Erfahrung und Geschick. Für Ungeübte ist das Arbeiten mit einem Winkelschleifer nicht ungefährlich, vorallem, wenn dieser über Kopf eingesetzt werden muss. Diese Methode führt meistens nicht zu größeren Beeinträchtigungen der Stabilität der Wand, was insgesamt vorteilig ist.

4. Die Anfertigung von Wandschlitzen mithilfe einer Mauernutfräse

Die letzte und wohl effektivste Methode zum Wandschlitz zu kommen, ist eine Mauernutfräse einzusetzen.
Diese Gerätschaft lässt es zu, dass die Breite des Schlitzes und auch die gewünschte Tiefe zuvor eingestellt werden kann. So gelingt ein zielsicheres Arbeiten mit schnellen und sorgfältigen Ergebnissen. In der Regel verfügt eine Mauernutfräse zudem über eine Absaugvorrichtung, an der ein industrieller Staubsauger integriert werden kann.

Wie tief soll der Schlitz in der Wand sein?

Es gibt genaue Bestimmungen und Regelungen bezüglich elektrischer Schutzmaßnahmen im Rahmen des Installierens elektrischer Leitungen oder Geräten in Mauerwerken.
In Abhängigkeit, ob es sich um eine tragende oder nicht tragende Wand handelt, gibt es eindeutige Normen. Dies gilt ebenso für die Anfertigung horizontaler und vertikaler Mauerschlitze. Die Stärke der Wand ist maßgeblich, wie tief die Schlitze sein dürfen.

Bei Berücksichtigung der Bestimmungen innerhalb der Norm, ist mit Beeinträchtigungen der Stabilität der Wand aufgrund der Installation elektrischer Kabel, Leitungen oder Geräte, nicht zu rechnen. Insofern umfangreichere und tiefere Mauerschlitze erfordlich sein sollten, ist es unbedingt ratsam, einen Gebäudestatiker zu konsultieren. Dies ist vorallem bei horizontalen Schlitzen bedeutend.

Bei UnterPutz-Verlegungen von Rohren und Leitungen gelten die Normen nach DIN 18015, besonders bezüglich der Einhaltung der Installationszonen.

Tipp: Die Tiefe der Wandschlitze bei dünnen Wänden sollte maximal zwei Zentimeter betragen. Eine Wand gilt mit elf bis zwölf Zentimetern Wanddicke als dünn. Wände, die 17 bis 18 Zentimeter stark sind, können Schlitze bis höchstens drei Zentimeter vertragen. Für Wände mit 24 Zentimetern Dicke sollte der Schlitz nicht tiefer als vier Zentimeter in die Wand gehen und Wände mit einer Dicke von 36 Zentimetern sollten nicht mit Schlitztiefen über sechs Zentimetern versehen werden.

Arten von Wandschlitzen und Besonderheiten bei der Schlitztiefe

Unterschieden werden horizontale und vertikale Wandschlitze. Bei den horizontalen Mauerschlitzen solltet Ihr beachten, dass diese eine geringere Tiefe aufweisen sollten als vertikale Mauerschlitze. Darüberhinaus sind horizontale Mauerschlitze erst ab einer Wandstärke von 15 Zentimetern erlaubt. Horizontale Wandschlitze in der Nähe von Öffnungen und Aussparungen, müssen zudem mindestens einen Abstand von 49 Zentimetern zu den Öffnungen aufweisen.

Im Vergleich zu den horizontalen Mauerschlitzen sind vertikale Schlitze in der Regel weniger kompliziert und problematisch. Hier gilt, dass vertikale Mauerschlitze bereits ab einer Wandstärke von 12 Zentimetern erlaubt sind. Der Abstand zu weiteren Öffnungen und Aussparungen in der Wand sollte bei dieser Schlitzart mindestens 11,5 Zentimeter betragen.
Eine Wand von mindestens 24 Zentimetern Stärke kann sogar mit vertikalen Schlitzen von 12 Zentimetern Breite und 8 Zentimetern Tiefe versehen werden. Beachtenswert hierbei ist jedoch, dass diese Angaben nur für den Bereich der Wand gilt, die bis zu einem Meter oberhalb des Fußbodens liegt.

Mithilfe einer Mauernutfräse wurden exakte Vertiefungen in die Wand gefräst © envato elements

Was müsst Ihr bei der Anfertigung von Mauerschlitzen noch berücksichtigen?

Wenn bei Euch ein Neubau, eine Renovierung oder eine Elektroinstallation in Planung ist, solltet Ihr unbedingt die Installationszonen für die Anfertigung von Mauerschlitzen beachten. Horizontale Schlitze sollten einen Mindestabstand von circa 15 bis 30 Zentimetern vom Fußboden aufwärts aufweisen. Auch der Abstand zur Decke hin sollte eingehalten werden. Dieser beträgt mindestens 30 Zentimeter. Vertikale Schlitze bedürfen eine Entfernung von zehn Zentimetern. Die Distanz bezieht sich auf sämtliche Ecken, sowie Öffnungen von Fenstern und Türen.
Die Elektroinstallation darf keineswegs mit Gasleitungssystemen oder Wasserleitungen kollidieren, insbesondere bezüglich der Herstellung von Wandschlitzen.

Horizontale & Vertikale Wandschlitze – Wo verlaufen sie?

Bei der Anfertigung von sämtlichen Schlitzarten in Wände ist eine sorgfältige Planung unabdingbar. In Abhängigkeit der Installationszonen dürfen Schlitze nur waagerecht oder senkrecht angefertigt werden.
Die Verlegung der Leitungen kann exakt bestimmt werden. Ausgangspunkt ist eine Steckdose, ein Schalter oder eine Auslass-Dose und Verteilerdose.
Beachtenswert sind gesetzliche Regelungen hinsichtlich der Leitungsführung für Unterputzverlegungen in Wohngebäuden. Definiert sind diese Vorgaben in DIN-Norm 18015-3.

Rohre, Kabel und Leitungen werden im Rahmen der Elektroinstallation stets horizontal und vertikal in den Installationszonen verlegt, wobei letztere höchstens 20 Zentimeter breit sein dürfen und ein Abstand von 10 Zentimetern zu Ecken, Türen und Fenstern einzuhalten ist. Die Leitungsführung in vertikaler Verlegung geht ab Fußbodenoberkante bis hin zur Unterkante der Decke.
Hingegen dürfen die horizontalen Installationszonen bis zu 30 Zentimeter breit sein. Die obere Installationszone startet bei 15 Zentimetern und endet bei 45 Zentimetern unterhalb der Decke.
Es gibt auch Installationsleitungen, die sich nicht innerhalb einer Zone befinden. Diese werden vertikal zur nächstgelegenen horizontal verlaufenden Zone verlegt. Beispielsweise kann dies bei Wandleuchten der Fall sein.

Fazit

Die Anfertigung von Wandschlitzen ist wesentlich, um mit Elektrizität versorgt zu sein. Zur Herstellung der Mauerschlitze gibt es vier Methoden mit unterschiedlichen Werkzeugen oder Gerätschaften. Mittels einer Mauernutfräse gelingen Mauerschlitze rasch, sauber, ordentlich und ohne viel Kraftaufwand. Eine Mauernutfräse stellt sich somit als beste Möglichkeit dar, Wandschlitze durchzuführen. Bauherren können von dieser Gerätschaft profitieren, auch im Hinblick auf den nicht allzu hohen Anschaffungspreis.

Etwas komplizierter ist es allerdings mit den Schlitzarten und Installationszonen. Hierbei gibt es einige gesetzliche Regelungen. Wer absoluter Laie in diesem Gebiet ist oder unsicher ist, sollte die Anfertigung von Wandschlitzen nebst Elektroinstallation besser dem Profi überlassen. Das könnte Zeit, Nerven und möglicherweise auch Kosten sparen – denn Fehler – und dadurch entstandene Schäden – sind nicht immer einfach zu bereinigen. Ein Elektriker ist routiniert in diesem Bereich, kennt gesetzliche Bestimmungen und bringt auch das notwendige Equipment mit.

Interessantes über den Bohrhammer